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Director's News

Liebe Leserin, lieber Leser,
 
Kunst um der Kunst willen – „l’art pour l’art“?
Wenn sich ein Kunstmuseum diesen Leitspruch n i c h t leisten kann, dann ein Museum für angewandte Kunst wie das MAK. Die Kernkompetenz des MAK betrifft das Kunstgewerbe, das Design (einschließlich Gebrauchsgrafik, Kommunikationsdesign und Mode) sowie die Architektur, allesamt künstlerische Bereiche, die neben ihrem ästhetischen Anspruch einen konkreten Nutzen erfüllen müssen und zusammen die sogenannte angewandte Kunst bilden. Freilich reichen „Schönheit“ und Funktionalität heute nicht mehr aus, erwartet werden zusätzlich emotionale Qualitäten („form follows emotion“) und die Erbringung von Beiträgen für positiven Wandel („design and architecture for change“)!
 
Aber auch die Begriffe selbst wandeln sich: Verstand man Mitte des 19. Jahrhunderts vor dem Hintergrund der Industrialisierung unter Kunstgewerbe Objekte für den täglichen Gebrauch, die in industrieller bzw. protoindustrieller Produktion seriell, also vor allem in Kleinserien durch Manufakturen, hergestellt wurden, so startete die englische Arts and Crafts-Bewegung einen Feldzug gegen Mängel in früher serieller Produktion (z. B. Materialnachahmung), der in der Wiener Moderne um 1900 durch die Secession und die Wiener Werkstätte vorbildlich aufgegriffen wurde. Der damals entwickelte österreichische Weg im Kunstgewerbe, der über das Garniturdenken zur freien Wahl des Objekts durch das Individuum führte, unterscheidet sich deutlich vom deutschen Bauhaus, das für Typisierung und industrielle Fertigung günstiger Produkte stand. Der Ausdruck Design war lange Zeit ein Synonym für die künstlerische Gestaltung erschwinglicher Serienprodukte.
In Zeiten von 3D-Druckern, die maßgeschneiderte Einzelobjekte zu seriellen Kosten ermöglichen, erfährt der Begriff des Seriellen jedoch eine völlig neue Dimension. Darüber hinaus subsumiert man heute unter Design auch nicht-objektgebundene, ganzheitliche Gestaltungsansätze wie strategisches oder sozial und ökologisch bewusstes Design. In der Architektur steht nach den auf spektakuläre Bauten fixierten Jahrzehnten der „Starchitektur“ heute gesamthaftes urbanes Denken, das auf soziale, ökologische und kulturelle Verbesserungen abzielt und in dem neue Gebäude nur einen kleinen Teil einnehmen, im Vordergrund. Diesen Bedeutungswandel muss das MAK stärker sichtbar machen!
 
Das MAK hat in den letzten Jahrzehnten bewiesen, wie wichtig der laufende Dialog der angewandten Kunst mit der bildenden Gegenwartskunst ist. Dieses „Gespräch der Künste“ erbringt aber auch zwischen den verschiedenen Sparten der angewandten Kunst einen deutlichen Mehrwert – z. B. zwischen Architektur und Design, deren Grenzen ohnehin immer fließend waren. Damit ist auch ein zentrales Stichwort des 21. Jahrhunderts genannt: „collaboration“, also anlassbezogenes Zusammenwirken zwischen VertreterInnen verschiedener Disziplinen zwecks gemeinsamer Problemerkennung und -lösung.
All diese Entwicklungen muss ein Museum für angewandte Kunst nicht nur behandeln, sondern immer wieder aktiv vorantreiben. Es muss dabei auch – und darin liegt zweifelsohne sein Alleinstellungsmerkmal – aufzeigen, was wir von kulturellen Leistungen der Vergangenheit lernen können! Die vorliegende Website ist dafür ein ideales, weil jederzeit weltweit benützbares „tool“, das nicht nur über die Sammlung, Ausstellungen und sonstigen Projekte des MAK informiert, sondern im Sinne eines Globallabors für positiven Wandel zugleich inspiriert und zielorientierte  Gestaltungsprozesse in Gang setzt. Wir leben in einer von den digitalen Möglichkeiten zur Gestaltung einer positiven Zukunft getragenen neuen Moderne. In dieser sogenannten Digitalen Moderne muss das Motto eines Museums für angewandte Kunst wie das MAK mehr denn je lauten: Kunst für das Leben – „l’art pour la vie“!
 
Christoph Thun-Hohenstein
Direktor MAK


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