MIHÁLY BIRÓ.
Pathos in Rot

Mihály Biró (1886–1948) ist einer der bekanntesten und kompromisslosesten ungarischen Grafiker zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der bei Budapest geborene politisch und sozial engagierte Künstler verschreibt sich früh der Idee der Sozialdemokraten. In der Zeit zwischen 1910 und 1914 gestaltet er für die Ungarische Sozialdemokratische Partei (MSZDP) und für deren Zentralorgan, die Zeitschrift „Népszava“, aufsehenerregende Plakate und Illustrationen mit dem Motiv des „Roten Mannes“, das untrennbar mit Birós Namen verbunden ist und mit dem er international reüssiert. Dabei richtet er sich gegen Krieg, Unterdrückung und Ausbeutung und appelliert an Humanismus, soziale Gerechtigkeit und Fortschritt. Nach dem Ersten Weltkrieg wird Biró für die Ungarische Räterepublik zum grafischen Sprachrohr der neuen „Ungarischen Roten Armee“. Nach dem Scheitern der Räterepublik flieht er vor der rechten Horthy-Diktatur nach Wien, wo er zwischen 1919 und 1928 lebt und arbeitet. Die in der Ausstellung präsentierten 20 Farblithografien der „Horthy-Mappe“ (1920) dokumentieren die Gräueltaten des Horthy-Regimes auf eindringliche Weise. Offizielle Protestnoten der

Horthy-Regierung und die Verfolgung Birós in Ungarn sind die Folge. Gleichzeitig gestaltet Biró in Wien für den Nationalratswahlkampf 1920 alle Bildplakate der Sozialdemokraten und begründet ihre damalige „Corporate Identity“. Neben den politischen Plakaten – Birós eigentlicher Berufung – entstehen Plakate für Wirtschaft und Kultur. 1928 findet er eine Anstellung bei der „UFA“ in Berlin, wovon zahlreiche Filmplakate zeugen. Durch den beginnenden Nationalsozialismus verschlechtert sich Birós wirtschaftliche Lage zunehmend, auch die Rückkehr nach Wien 1932 verbessert seine Situation kaum. Nach den Februarkämpfen 1934 flieht er vor dem Austrofaschismus in die Tschechoslowakei und 1938 vor den Nationalsozialisten nach Paris. Seine Situation als Künstler ist auch dort aussichtslos und sein gesundheitlicher Zustand katastrophal. Schwer lungenkrank kommt er ins „Rothschild-Hospital“, wo er als einer der wenigen Überlebenden bei der Befreiung von Paris am 24. August 1944 aufgefunden wird. Erst 1947 kann er nach Budapest zurückkehren, wo er 1948 stirbt.


Ausstellungsansicht "MIHÁLY BIRÓ. Pathos in Rot", MAK-Kunstblättersaal, 6.10.2010-9.1.2011


Katalog zur Ausstellung „MIHÁLY BIRÓ. Pathos in Rot Pathos in Red“, herausgegeben von Peter Noever,
mit Beiträgen von Michael Diers, Sebastian Hackenschmidt, Peter Klinger, Peter Noever und Kathrin Pokorny-Nagel, MAK Studies 19, deutsch/ englisch, 128 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen,
MAK Wien/Verlag für moderne Kunst 2010, € 20.

Vertiefende Literatur zum Thema finden Sie im
MAK-Lesesaal.


Kuratorin: Kathrin Pokorny-Nagel
Mitarbeit: Peter Klinger
Ausstellungsorganisation : Sabrina Handler

Dauer der Ausstellung: 6.10.2010–9.11.2011

Dank an:
Bernhard Denscher, René Grohnert, Daniel Lippitsch, Manon van der Mullen, Martin Warnke, Isabella Woldt



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