|
Zum ersten Mal weltweit wird die Kunst der Demokratischen Volksrepublik Korea außerhalb dieses Landes präsentiert - in bedeutendem Umfang: Unter den 100 Exponaten befinden sich neben Aquarellen und Plakaten zahlreiche großformatige Öl- und Tuschebilder.
Es ist an der Zeit, diese Werke samt ihren Hintergründen einem westlichen Publikum näher zu bringen, das Wissen um die Kunst der DVRK auf eine fundierte Basis zu stellen. Es gilt, jenseits gewohnter Schemata operierende Wahrnehmungs- bzw. Reflexionsprozesse in Gang zu bringen. Verständnis für die eigene Kultur gewinnt nur, wer sich mit anderen dialektisch auseinandersetzt.
Die zeitgenössische Kunstproduktion bildet einen Schwerpunkt: Mehr als die Hälfte der Werke stammt aus dem letzten Jahrzehnt. An die Kunst der Gegenwart in der DVRK heranführend, gewährt die Schau umfassende Einblicke in die immer noch weitgehend fremde Welt jenseits des 38. Breitengrads.
Nach dem Ende der japanischen Kolonialherrschaft (1945), insbesondere seit den späten 1950er Jahren wurde die nationale Unabhängigkeit zur primären Staatsdoktrin, zum zentralen Maßstab künstlerischer Produktion. Staatsgründer Kim Il Sung verlieh dem Marxismus-Leninismus ein spezifisches Gepräge; sein ab den frühen 1960er Jahren den "Sozialistischen Realismus" in den Künsten überformender Juche-Gedanke propagiert die Eigenständigkeit der DVRK in ideologischer, politischer, ökonomischer und militärischer Hinsicht.
Kim Il Sungs Sohn und Nachfolger setzte diesen Weg fort. In seinem Traktat "Über die Baukunst" postulierte Kim Jon Il Architektur als einen den
|
|
gesamten (Stadt-)Raum mittels programmatischer Bauten - ästhetische - politisierenden, bestimmte Juche-pädagogische Botschaften vermittelnden, Staat und Gesellschaft verschmelzenden Ordnungswillen.
Von Menschenbildern über Alltagsszenen bis zu patriotischen Landschaftsdarstellungen: Die Kunst der DVRK zeichnet ein ideal. Generell handelt es sich bei den präsentierten Arbeiten um parteioffiziell-staatstragende Kunst, deren Wesen der "Ewige Präsident" Kim IL Sung als sich in nationalen Formen widerspeigelnde sozialistische Inhalte definierte. Diese Kunst ist realistisch, klassenbewusst, revolutionär gesinnt, um verständliche Botschaften (im Geiste der Juche-Ideologie) bemüht, oft großformatig und farbenfroh-optimistisch, kritisch gegenüber der westlichen Moderne, volksverbunden in Form und Inhalt, kollektiv (Gruppenarbeiten z.B. kommt zentrale Bedeutung zu), sozial homogenisierend. Juche-Kunst kombiniert den sozialistischen Inhalt mit nationalen Formen.
Auch 15 Porträts von Kim Il Sung und Kim Jong Il werden erstmals außerhalb der DVRK gezeigt. Sie stellen die beiden Staatsoberhäupter in unterschiedlichen Situationen, meist jedoch volksverbunden (etwa gemeinsam mit Fabrikarbeitern, Soldaten, Bauern oder Kindern) dar. Legendäre Szenen aus dem Leben Kim Il Sungs, der allgegenwärtig scheint, illustrieren den Weg zur nationalen Unabhängigkeit.
Die Architektur der DVRK wird idealtypisch anhand derjenigen Pyongyangs, vor allem anhand eines Modells des Juche-Turms (des Wahrzeichens der Stadt) sowie einer Auswahl von Zeichnungen und Architekturfotos von herausragenden Einzelgebäuden wie dem Stadion 1. Mai oder der Eissporthalle, vorgestellt.
|
|
Unter der theoretischen Überbau in konkrete Praxis verwandelnden Leitung Kim Il Sungs entstand eine als Gesamtkunstwerk konzipierte, ästhetisch modern anmutende Metropole, eine die Nation ausstellende Modellstadt in weltanschaulicher, technischer wie kultureller Hinsicht. Überall kommen Hauptstädten staatlich-politische Repräsentationsaufgaben zu, Pyongyangs symbolisch überdeterminiertes Stadtbild jedoch lässt sich geradezu als gebautes Juche-Manifest charakterisieren.
Nicht zuletzt aufgrund seiner hohen Denkmaldichte erscheint Pyongyang wie ein monumentales Freiluftmuseum für öffentliche Kunst. Markante Sakralbauten sind z. B. Kim Il Sungs gigantisches Mausoleum, die Chollima-Statue oder der Triumphbogen. Breite Boulevards, riesige Plätze,
|
|
enorme öffentliche Bauten (z. B. die Große Studienhalle des Volkes), viel Kunst im öffentlichen Raum (z. B. die künstlerisch ausgestaltete U-Bahn mit ihrem Marmor, ihren Mosaiken und Malereien), zahlreiche Theater und Museen all dies ist sozusagen Volkes Eigentum und zum öffentlichen Gebrauch und Nutzen bestimmt.
Die zur Diskussion gestellten Werke beleuchten ein zum westlichen Muster in deutlichem Kontrast stehendes politisches System. Damit schließt „Blumen für Kim Il Sung“ an MAK-Ausstellungen wie „Kunst und Revolution. Russische und sowjetische Kunst 19191932“ (1988), „Tyrannei des Schönen. Architektur der Stalin-Zeit“ (1994), „Architecture Again. The Havana Project“ (1997) oder „Cine Art. Indische Plakatmaler im MAK“ (1999) an.
|