KÜNSTLER IM FOKUS #7 LIAM GILLICK.
Executive Two Litre GXL

In seiner konzeptuell geprägten Arbeit sprengt Liam Gillick genre- und medienspezifische Grenzen der visuellen Kunst und bewegt sich mit der „Präsentation diskursiver Formen“ an der Schnittstelle von Theorie und Praxis. Dabei setzt er ein breites Spektrum von Herangehensweisen ein, das Skulptur, Architektur und Design verbindet sowie Performance oder das Schreiben über Kunst thematisiert. Gillick nimmt architektonisch-strukturelle Raumeingriffe vor, entwirft minimalistische Objekte, grafische Arbeiten und Wandgemälde; die von ihm entwickelten Szenarien reflektieren räumliche Kontexte und schaffen Plattformen des Überdenkens. Das Interesse des Künstlers gilt dabei dem System der Dinge einer konstruiert-geplanten Welt, die sich in unterschiedlichen Formierungen zeigt, sowie Schlüsselpositionen ökonomischer, politischer und kultureller Entwicklungen. Gillick evoziert neue Prozesse in Hinblick auf die Gestaltung von Gesellschaften, die er als Modelle zwischen Analyse und fiktiver Narration zur Diskussion stellt. In seinen Objekten und Installationen setzt er Materialien aus industrieller Massenproduktion wie Aluminium, MDF und Plexiglas ein. Die daraus entstehenden modularen Objekte definieren Orte in Räumen oder werden zu raumfüllenden Installationen arrangiert, wobei Gillick immer die Struktur und die Bedeutung des Ausstellungsraums in seine Arbeit mit einbezieht.

Die für die Schausammlung Gegenwartskunst konzipierte Ausstellung „Executive Two Litre GXL“, die entsprechend Gillicks Methode verschiedene Aspekte und Relationen zusammenführt, fokussiert als

Ausgangspunkt das Feld der Produktion, wobei sich der von Gillick gleichsam als Emblem eingesetzte Titel als Verweis auf die sich verändernden Produktions- bedingungen der Autoindustrie der 1970er Jahre versteht. Zwei neue Installationen ergeben in ihrem Zusammenspiel einen Innen- und Außenraum. Sie wurden in den MAK-Werkstätten gefertigt und integrieren die Arbeit „Layered Impasse Screen“ (1999) als Objekt der Sammlung Gegenwartskunst, die wiederum als retrospektives Bespiel für die handwerkliche Produktion durch den Künstler selbst fungiert.

Die flexible Struktur der Installation „Prototype MAK Production Pavilion (Housed in the Countryside)“ (2009) reflektiert in ihrer Konstruktion eine Palette von Raumnutzungen, die Plattformen potenzieller Interaktion und Kommunikation eröffnen. Die systematischen Kombinationen von Paneelen als Schirme oder Filter bilden den Rahmen von „Erzählungen“ und generieren ein Spektrum von Freiräumen. Dadurch gewonnene ideelle Distanzen ermöglichen innovative räumliche Vermessungen im Spiel mit Normen. Dadurch wird ein relativierter Standpunkt für eine Erweiterung der Diskussion oder die Streuung systematisierter Richtungen herausgefordert.

Durch einen minimalen Raumeingriff bindet Gillick eine weitere architektonische Ebene in die Gesamtkonzeption ein. Die Installation „Contingent Wall Plates (Housed in the City)“ (2009) pointiert vorhandene Elemente technischer Infrastruktur durch Platten aus Aluminium, wodurch sich scheinbar beliebige Geometrien zu einer architektonischen Struktur verbinden. Die Konzeption dieser Artefakte unterstreicht das Interesse Gillicks an der Sprache der Form und am veränderbaren Status eines ästhetischen Objekts zwischen angewandter Funktion und visuellem Instrument.


Ausstellungsansicht "KÜNSTLER IM FOKUS #7 LIAM GILLICK. Executive Two Litre GXL", MAK-Schausammlung Gegenwartskunst

Liam Gillick lebt und arbeitet in London und New York. In der MAK-Galerie war er an der Ausstellung „Dedalic Convention“ (2001) beteiligt, die er mit internationalen Künstlern entwickelte. 2009 bespielt Gillick den Deutschen Pavillon auf der 53. Esposizione Internazionale d’Arte – La Biennale di Venezia. Gillick ist mit zahlreichen Einzelausstellungen in bedeutenden Institutionen vertreten, u.a. Kunsthalle Zürich, Kunstverein München, Museum of Contemporary Art, Chicago und Witte de With Center for Contemporary Art, Rotterdam (2009); Palais de Tokyo, Paris und ICA, London (2005); Museum of Modern Art, New York und The Power Plant, Toronto (2003); Whitechapel Gallery, London (2002); Frankfurter Kunstverein, Frankfurt am Main (1999); Villa Arson, Nizza (1998). 2008 war er für den Vincent Award im Stedelijk Museum Amsterdam nominiert sowie 2002 für den Turner Prize. Ausstellung: Liam Gillick, Peter Noever
Kuratorin: Bärbel Vischer
Ausstellungsorganisation: Sabrina Handler
Technische Koordination: Michael Wallraff

Ausstellungsdauer: 20.10.2009 – 21.3.2010




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