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Elke Krystufek hat das MAK besetzt, fundamental hinterfragt und mit Kontingenz konfrontiert; die Fragebewegung unserer „Hausbesetzerin“ aber steht nicht still, sondern provoziert wiederum Fragen:
Gelingt es ihr, den künstlerischen Bauplan des Hauses freizulegen? Welche Aufschlüsse verursacht ein subversives Aufschließen der MAK-Sammlung? Erblickt sie als zähe Grenzgängerin jenseits der Einfriedungen bislang Ungesehenes? Wenn untergraben urbarmachen bedeutet, schaffen dann Elke Krystufeks Unterminierungen Platz für Neues, eruiert sie andere Lesarten bzw. Subtexte des MAK-Textes? Verhilft sie hausinternen Denk- oder Handlungsroutinen zu Seitensprüngen? Was bedeutet es, wenn eine Frau so radikal, systematisch und verführerisch wie kaum je zuvor das MAK analysiert, dieses Soziotop mikrologisch zergliedert, wenn sie die museale Lebenswelt kolonisiert und spezifische Spielregeln (Diskurse, Disziplinen, Strategien, Praktiken, Traditionen, usw.) dekonstruiert? Macht ein „fremder“, verfremdender Blick Betriebsblindheiten augenfällig? Führt ein prozesshaftes, in enger Kooperation mit den Kustodinnen und Kustoden stattfindendes Kunstschaffen zu mehr Dialogizität oder Pluralität? Was verbindet Kunst mit sozialwissenschaftlicher „Action research“? Gibt es ein Kunstsammeln jenseits des
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marktgängig-kommerzialisierten Tauschwertdenkens? Was passiert, wenn durch Musealisierung vermeintlich „mortifizierte“ Objekte verlebendigt, in Sammlungen Verborgenes entborgen wird und Kunst sich vom Elfenbeinturm in den Brennpunkt des öffentlichen Blicks wirft, also kein unpolitisches L’art pour l’art, sondern humanistisch-emanzipatorische Interventionen intendiert? Kann die Künstlerin den Betrachter motivieren, das sich in der Kunst manifestierende Glücksversprechen zu realisieren, vom passiven Spectator zum „Spect-Actor“ (Augusto Boal) zu werden? Ist die Ästhetik die Ethik von morgen (Maxim Gorki)? Besitzt die Frage nach der Religion für kustodisches und künstlerisches Handeln heutzutage Virulenz? Wenn Geschlechtsneutralität Fiktion und Gender ein soziales Konstrukt ist, gibt es dann einen spezifisch weiblichen Blick auf die Kunst bzw. einen speziellen weiblichen Standort innerhalb der Kunst? Hätte Elke Krystufeks Kunst genau so auch von einem Mann geschaffen werden können, ist diese als männlich konnotiert überhaupt vorstellbar?
Könnte das MAK seinen Kunstauftrag zwischen Tradition und Experiment auch ohne die zugegebenermaßen oft schmerzliche Intervention Elke Krystufeks überhaupt erfüllen? Das wäre die eigentliche Frage.
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