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ALLERHAND!

Fächer und Handschuhe aus der MAK-Sammlung
Mi, 09.11.2011–So, 01.04.2012

Die Ausstellung ALLERHAND! stellt ausgewählte Fächer und Handschuhe aus sieben Jahrhunderten ins Rampenlicht und präsentiert nach der Taschen- Ausstellung LEDER, STOFF UND REISSVERSCHLUSS einen weiteren Aspekt der MAK-Sammlung Textil zum Thema „Accessoire“.

Beide Objekttypen unterstreichen die Gestik der Hand: über die naheliegende Funktion hinaus gelten sie als wirkungsvolle Instrumente der Koketterie. Die Ausstellung ALLERHAND! veranschaulicht die Ursprünge ebenso wie die Verwendung der Objekte u.a. in der Liturgie, bei Hof oder als Werbefläche.

Die meisten Exponate stammen aus der Sammlung Albert Figdor, die japanischen Fächer aus dem ehemaligen k.k. Orientalischen Museum (beide Wien). Fächer aus dem europäischen Barock – reich bemalt und inhaltlich in galanten Festen und antiker Mythologie schwelgend – und der japanischen Edo Periode (1603–1868) nehmen aufgrund ihrer Bedeutung innerhalb der MAK-Sammlung einen besonderen Platz in der Ausstellung ein.
Zu den ältesten Stücken wiederum zählen zwei außerordentlich seltene Radfächer aus dem europäischen Spätmittelalter, die gemeinsam mit in Gold gestrickten Handschuhen für den kirchlichen Gebrauch gezeigt werden.

Die heute am weitesten verbreitete Fächerform, der Faltfächer, wurde durch portugiesische Seefahrer im Laufe des 16. Jahrhunderts importiert. Sie illustriert einen kulturellen Transfer, der von den Höfen der Iberischen Halbinsel ausgehend ganz Europa eroberte. Seltene Objekte aus Japan – zum Beispiel bemalte, unmontierte Fächerblätter oder ein mit recycelten Fächerblättern des 18. Jahrhunderts dekorierter Paravent – demonstrieren Stile und Varianten ebenso wie die Vielfalt der Sammlung.

Anfangs nicht eindeutig feminin konnotiert, entwickelte sich der Fächer im Europa des 18. und 19. Jahrhunderts zu einem der wichtigsten Accessoires der höfischen Damenwelt. Handschuhe hingegen wurden von beiden Geschlechtern gleichermaßen getragen und je nach Stand des Trägers und Verwendungszweck in unterschiedlichen Materialien wie Leder, Wolle oder Seide sowie mit oder ohne Dekor gefertigt. Fächer und Handschuhe waren und sind Träger unterschiedlicher Moden und sozio-kultureller Strömungen. Die Gegenüberstellung historischer und zeitgenössischer Objekte von Künstlern und Designern, etwa einer Handschuh- Kreation von Meret Oppenheim (1985), erlaubt, Entwicklungen innerhalb der einzelnen Themenkreise hervorzuheben und zu hinterfragen.

Soziale und modische Faktoren trugen dazu bei, dass Fächer und Handschuhe in Vergessenheit gerieten: Erstere werden heute vorrangig als „Werbeflächen“ genützt, während zweitere meist praktischen Zwecken dienen, obwohl ihnen als anspruchsvolle Accessoires ein Platz gleichrangig neben Taschen zustünde. Diese Ausstellung lädt den Besucher dazu ein, ihnen gebührend Aufmerksamkeit zu widmen und sich der Komplexität ihrer Verwendungsarten und Bedeutungen bewusst zu werden.

Kuratorin Barbara Karl, MAK-Kustodin Textilien und Teppiche

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