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Präsentation Schausammlung

Masterpieces

Fr, 26.10.2012–So, 13.10.2013
Mit dem Ziel, anhand herausragender Sammlungsobjekte den über Jahrhunderte währenden Kulturtransfer zwischen Asien und Europa nachvollziehbar zu machen, wird die MAK-Schausammlung Asien grundlegend neu aufgestellt. Seit 2007 wurde der Schausaal mit wechselnden Ausstellungen zu einzelnen Aspekten der umfangreichen Asiensammlung bespielt. Die neue Präsentation gibt wieder einen Überblick über das faszinierende Spektrum der MAK-Sammlung Asien, die mit über 25.000 Objekten, datiert vom Neolithikum bis in die Gegenwart, zu den umfassendsten Kollektionen asiatischer Kunst in Europa zählt.

Chinesisches Porzellan, japanische Lackarbeiten, japanische Farbholzschnitte (Ukiyo-e) und japanische Färbeschablonen (Katagami) bilden den Schwerpunkt der MAK-Sammlung Asien, die wie alle vergleichbaren Sammlungen einen Orientalismus an sich darstellt: Die hier gesammelten Objekte wurden durchwegs von Europäern ausgesucht und repräsentieren somit auch europäischen Geschmack. Gegliedert in vierzig kleine Kapitel, lädt die Neuaufstellung zu einer Zeitreise durch die asiatische Kunstgeschichte ein, wobei die gezeigten „Meisterwerke“ in einen kunst- und kulturhistorischen Zusammenhang gestellt werden.

Archäologische Objekte aus China und Vietnam, insbesondere Grabfiguren aus der Han- (206 v. Chr. – 220 n. Chr.) und Tang-Periode (618–907), in denen bereits künstlerische Kontakte zu Persien deutlich werden, leiten die Neupräsentation ein. Religiöse Gegenstände, Skulpturen, aber auch Malereien markieren den Paradigmenwechsel, der den ab der Tang-Zeit aufkommenden Buddhismus begleitete und den Grabkult zurückdrängte. Der Variationsreichtum chinesischer und japanischer Keramiken entsteht in einem Wechselspiel mit westlichen Kulturen und wird mit Beispielen aus unterschiedlichsten Epochen verdeutlicht. Porzellane mit Bemalung in Kobaltblau waren ab der mongolischen Yuan-Dynastie (1271-1368) nicht zuletzt als Folge der engen Kontakte zur islamischen Welt auf den Herrscherhöfen in ganz Asien begehrt. Ebenso wie das frühes Blauweiß-Porzellan nehmen auch Lackarbeiten aus dieser Epoche den islamischen Horror-Vacui-Dekor aufnimmt.

In der Zeit der Ming-Dynastie (1368–1644) erweiterte sich der Handelsradius für Asiatika bis nach Europa. Herrscher häuser, später auch das Großbürgertum, statteten sich mit fernöstlichen Waren aus, chinesische Porzellane wurden zum anspruchsvollen Gebrauchsgeschirr. Einmaliges Zeugnis für die Vermengung der Kulturen ab dem 16. Jahrhundert legt eine Tischplatte aus der Bibliothek von Schloss Ambras ab, die vermutlich in der südindischen Handelsstadt Cochin (heute Kochi, Kerala) von chinesischen Handwerkern in einem sino-europäischen Mischstil im Auftrag portugiesischer Kaufleute hergestellt wurde. Die zunehmende Nachfrage nach Luxusprodukten im Export und der modische Einfluss Ostasiens auf Europa prägten den Begriff der „Chinoiserie“. Dieses bekannte Phänomen meint aber durchaus wechselseitigen Austausch: Auch in China herrschte Begeisterung für die europäische Kultur, immer wieder waren westliche Künstler und Wissenschaftler am Kaiserhof in Beijing tätig. Die traditionell chinesisch geprägte Kunst des 18. Jahrhunderts dokumentiert etwa eine einzigartige, aus einem Jade-(Nephrit-)Block im chinesischen Stilgearbeitete Vase, während ein Globus aus Silber und Email als zentrales Stück der europäisch geprägten Arbeiten zu sehen ist.

Die japanische Kunst leistete vor allem in der Schwertschmiedekunst, in der Lackkunst sowie im Farbholzschnitt Einzig artiges. Im Rahmen der Neuaufstellung wird insbesondere das 16. bis 20. Jahrhundert beleuchtet; die im 17. und 18. Jahrhundert produzierten Porzellane im Imari- und Kakiemon-Dekor hatten große Bedeutung für die jungen europäischen Porzellanmanufakturen in Meißen und Wien. Kakiemon-Dekore waren an europäischen Fürstenhöfen begehrt und wurden bald auf europäischem Porzellan imitiert.

Besonders bedeutsam wurde japanisches Kunsthandwerk für die Entwicklung der europäischen Kunst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Auf der Wiener Weltausstellung 1873 präsentierte sich Japan in großem Stil. Die nach der Ausstellung erworbenen bzw. zu einem Gutteil von der japanischen Regierung dem Museum gewidmeten Objekte gelten ihrer hohen Qualität und Dokumentation wegen weltweit als Referenzstücke. Die den Fuji darstellende Zierplatte von Kawamoto Masukichi I (1831–1907) sowie eine Wanddekoration in Fächerform von Ikeda Taishin (1829–1903) zeigen die traditionellen Kunstfertigkeiten japanischer Manufakturbetriebe und deren Zusammenarbeit mit den besten Künstlern des Landes.

Den Schluss der Neuaufstellung Asien bilden Objekte, die das neu entflammte Interesse an Ostasien in der europäischen Kunst dokumentieren. Um die Jahrhundertwende waren europäische und japanische Künstler in ihrer Einstellung einander sehr ähnlich, wie die Gegenüberstellung einer japanischen Bronzevase – erworben auf der Weltausstellung in Glasgow, 1902 – sowie bei einer im „Salon de l’Art Nouveau“ in Paris erworben Keramik von Alexandre Bigot (1862–1927). Siegfried Bing (1838–1905) war mit seinem Kunsthandel Salon de l’Art Nouveau nicht nur Vermittler japanischen Kunsthandwerks, er initiierte auch viele Ausstellungen und Publikationen und animierte Künstler in ganz Europa, asiatische Kunst zu studieren.

Kurator Johannes Wieninger, Kustode MAK-Sammlung Asien


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