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DIE SCHAUSAMMLUNG
Die künstlerischen Interventionen

Die Aufstellung der Schauräume im MAK ist aufgrund der Entscheidung, diese Säle von Künstlern gestalten zu lassen, ein bestimmendes Experiment bei der Identitätssuche des Museums. Hier ist zum ersten Mal in diesem Bereich sinnlich zu erfahren, was mit dem fruchtbaren Aufeinanderprallen von traditionellem Bestand und aktuellen Kunstströmungen gemeint sein kann. Es wurden bewusst keine Architekten mit der Gestaltung betraut. Die Hoffnung war, dass die verschiedenen Künstlerpersönlichkeiten unterschiedliche Standpunkte und Blickwinkel zu den Sammlungselementen einnehmen und sie so aktuell neu lesbar machen würden, dass sie unsere Augen und Sinne mit ihrer spezifischen Sensibilität und Durchdringung des Materials schulen würden.
Da es keine "verbindliche" Präsentation von Kunstobjekten im Museum geben kann, jede Präsentationsform somit auch Interpretation und Bewertung ist, hat das Museum also die Sichtweise von bedeutenden zeitgenössischen Künstlern gewählt, die in intensiver Zusammenarbeit und langen Diskussionen mit den Kuratoren die Aufstellung der Schausammlung realisiert haben.
Die Räume der Schausammlung folgen einem chronologischen Ordnungsprinzip. Es besteht jedoch nicht die Absicht, die einzelnen Stilepochen möglichst komplett mit Objekten "abzudecken", sondern vorzugsweise "Highlights" des Museums, besonders interessante und einmalige Exponate der Sammlung zu präsentieren. (In der Studiensammlung wird hingegen die alte Museumsordnung nach Material in einer dichten, seriellen Präsentationsform beibehalten.) Die Künstler haben für „ihre“ Räume die verschiedensten Lösungen gefunden. Sie arbeiteten mit Farben, speziellen Lichtinszenierungen, elektronischen Sprachbändern und Texten, besonderen Vitrinen, Einfassungen, Podesten und speziellen Verfremdungen. Auffallend ist, dass sie zwar unverkennbar ihre persönlichen Strategien weitergeführt haben, aber doch die Aufgabe mit einem solchen Respekt und Verständnis für die Objekte ausgeführt haben, dass die Zurschaustellung der ausgewählten Objekte immer vorrangige Motivation war und der Verdacht der Selbstinszenierung gar nicht erst aufkommt. Man muss sich diesen Räumen selbst aussetzen und für sich entscheiden, ob sich diese Strategie bewährt hat, ob die künstlerischen Interventionen noch eine zusätzliche Ebene der aktuellen Interpretation liefern, ob sie zur angestrebten Komplexität und Vielschichtigkeit der Museumssituation beitragen. Die Künstler haben sich mehr oder weniger enthusiastisch der ungewohnten Aufgabe gestellt und während der Arbeit durchaus auch Perioden der Frustration durchlebt. So zieht Donald Judd das Fazit, dass das Dubsky-Zimmer doch besser im Keller untergebracht wäre, auch deswegen, weil er Schwierigkeiten mit jeder Art von Museumsinstallation hat, und Barbara Bloom nähert sich dem Sakrileg, wenn sie die Bugholzmöbel, deren serielle, fast minimalistische Variationen sie sichtbar macht, in einem Atemzug mit IKEA-Möbeln nennt. Es hat auch sonst um die Räume schon zahlreiche Diskussionen gegeben. Aber etwas Besseres könnte dem Museum nicht widerfahren, als dass es eine radikal und kompetent geführte Debatte um das Zusammenspiel von Alt und Neu, um die Aktualisierung alter, traditionsbeladener Räume und die Arbeitsweisen von zeitgenössischen Künstlern auslöst. / Peter Noever

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