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Studiensammlung Metall

Kuratorin: Elisabeth Schmuttermeier

Die Vielfalt der Metallsammlung wird in der nach Typen geordneten Präsentation der Objekte in der Studiensammlung Metall sichtbar. Kerzenleuchter, Becher, Kannen oder Schüsseln vermitteln einen Eindruck ihrer stilistischen und funktionalen Entwicklungsstufen. Zusätzlich wird seit 1993 die vielfältige Ausrichtung der Metallsammlung in Form von wechselnden Ausstellungen präsentiert, bei denen auch immer wieder zeitgenössisches Schmuckdesign gezeigt wird.

Goldschmiedearbeiten vom 16. bis 19. Jahrhundert bilden den Schwerpunkt der Studiensammlung Metall. Profane Gebrauchsgeräte aus Silber, die häufig auch vergoldet wurden, konnten gemäß ihrer Funktion als Schenk- oder Trinkgefäße, Schüsseln, Platten und Tafelaufsätze verwendet werden. Vielfach dienten große und aufwändig gearbeitete Goldschmiedearbeiten jedoch der Repräsentation auf Schaubuffets und somit auch als Kapitalreserve. Die Entstehung der Gegenstände ist engstens mit der Entwicklung der Ess- und Trinkgewohnheiten und dem Repräsentationsbedürfnis der wohlhabenden Bevölkerung verknüpft. Eine Änderung der Tafelkultur brachte auch eine Veränderung der Geschirre mit sich.

 

Einige dieser Entwicklungssprünge können jedoch nur mehr anhand von bildlichen Darstellungen belegt werden, da sich laut Expertenmeinung bis heute nur ungefähr zwei bis vier Prozent vom Gesamtbestand früherer Goldschmiedearbeiten erhalten haben. Zum einen waren es die vielen kriegerischen Auseinandersetzungen, die im Laufe der Jahrhunderte die Geldreserven der Herrscher, Fürsten und Städte aufgebraucht und damit zu einem radikalen Schwund der Edelmetallgeräte, die auch als Wertanlage gesammelt wurden, geführt haben. Zum anderen waren es der Geschmackswandel und die Änderung der Ess- und Trinksitten, die viele Gegenstände nicht mehr zweckmäßig erscheinen ließen; Edelmetallgefäße wurden eingeschmolzen, das Geld für andere Zwecke verwendet.

 

Die Goldschmiede erhielten im Mittelalter ihre bedeutendsten Aufträge von der Kirche. Ihre Kunst war den anderen Kunstgattungen – Architektur, Malerei und Plastik – gleichgestellt. An der Wende von Romanik zu Gotik verlassen die Goldschmiede die Kloster- und Hofwerkstätten und ziehen in die Städte. Sie gewinnen nun zusätzlich das Bürgertum und dessen Organisationen wie Bruderschaften, Gilden und Zünfte als Auftraggeber. Zunftpokale oder -kannen, Willkommpokale für Handwerker, aber auch Geschenke für wichtige Gäste oder Gesandtschaften zählen nun zu den Aufgaben des Goldschmieds. Besteckteile, Becher, Humpen und Krüge in handlichen Maßen waren für den tatsächlichen Gebrauch bestimmt. Im 17. Jahrhundert wurden neue Getränke wie Tee, Kaffee und Schokolade populär. Ihr Konsum bedingte neue Gefäßtypen, deren Vorbilder in den Ursprungsländern der Getränke zu finden sind. 

 

Leuchter zählen zu den wichtigsten Gebrauchsgeräten, waren sie doch jahrhundertelang in Kombination mit der Kerze die bedeutendsten Lichtquellen. Zwischen sakralem und profanem Leuchtertyp bestand kein Unterschied. Die meisten Kirchenleuchter haben weltlichen Zwecken gedient, bevor sie in kirchlichen Besitz übergingen. Einzig die Größe lässt Rückschlüsse auf die Funktion zu, ob sie zum Beleuchten von Räumen oder Speisetafeln verwendet wurden, Nachtleuchter waren oder Altarräume erhellten. Wie für die übrigen Goldschmiede- und Metallarbeiten waren auch für die Leuchter modische Kriterien ausschlaggebend.

 

Wie in anderen Museen sind auch die Sammlungsbereiche des MAK gewissen Zufälligkeiten unterworfen. Eine kunst- und kulturhistorische Vollständigkeit kann, realistisch gesehen, nie erreicht werden. Aus diesem Grund wurden zusätzlich galvanoplastische Nachbildungen von nicht im MAK befindlichen Originalen zwischen die echten Gefäße gestellt, um eine Typologie der Gebrauchsgeräte zu ermöglichen. Gegenstände aus anderen Materialien und Kulturkreisen, die den europäischen Formen als Vorbilder gedient haben oder von diesen beeinflusst wurden, sollen die kulturhistorische Entwicklung noch verdeutlichen.

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