Rudolph M. Schindler

Der 1914 in die USA emigrierte Utopist und experimentelle Wiener Architekt wurde richtungweisend für eine moderne Architekturauffassung in Kalifornien. Neben seinem eigenen 1921/22 erbauten Wohn- und Studiohaus in der North Kings Road, West Hollywood, plante und baute er vor allem Privathäuser wie die Mackey Apartments und das Fitzpatrick-Leland House.

Rudolph Michael Schindler wurde 1887 in Wien geboren, wo er später auch Bauingenieurwesen und Architektur studierte. Geprägt von seinen Lehrern wie den Visionären Otto Wagner oder Adolf Loos und inspiriert von den Arbeiten Frank Lloyd Wrights – 1910 war das sogenannte Wasmuth-Portfolio unter dem Titel Ausgeführte Bauten und Entwürfe von Frank Lloyd Wright erschienen – emigrierte Schindler 1914 in die USA. Ab 1918 arbeitete er für Wright in Chicago, um von 1920 an in dessen Auftrag den Bau des Hollyhock-Hauses für Aline Barnsdall in Los Angeles zu beaufsichtigen. Schindler blieb und errichtete 1921 sein eigenes Wohn- und Studiohaus in der North Kings Road in Los Angeles. Seine Entwürfe – 150 von ihnen wurden im Laufe seines Lebens realisiert – setzten sich über zahlreiche architektonische Konventionen hinweg und standen ganz im Zeichen der von ihm postulierten „Raumarchitektur“.

 

In einem frühen Manifest, das später unter dem Titel „Space Architecture“ erschien, schrieb Schindler, Architekten hätten stets danach gestrebt, „Materialmassen zusammenzutragen und aufzuschichten und darin Hohlräume zur Nutzung durch den Menschen freizulassen“. Solche Innenräume, erklärte er, seien nichts weiter als Beiwerk gewesen; bis dahin hätten sich alle Versuche der Formgebung darauf beschränkt, Oberflächen zu zerstückeln und sie zu dekorieren. Das eigentliche Medium der Architektur sei aber vielmehr der Raum selbst. Dies sei „die Geburtsstunde der Architektur“, denn dank Neuerungen in Bauwesen, Baumaterial und Bauverfahren seien zeitgenössische Architekten wie er in der Lage, Raum zu gestalten und ihn wie Farben, Schall oder Masse als Medium zu behandeln.

 

Damit trug Schindler entscheidend dazu bei, dass die moderne Architektur die Orthodoxie des Internationalen Stils überwand. Er sah das Formelhafte an den modernistischen Konventionen äußerst kritisch und setzte stattdessen auf die Verschmelzung von Intuition und Pragmatismus. Er scheute sich nicht, Neues auszuprobieren, etwa mit der Geometrie und Tektonik zu spielen, bei der Raumaufteilung, den Materialien oder – wie im Falle seines eigenen Hauses – bei der Konzeption von privatem Raum neue Wege zu beschreiten. Alle zehn Jahre, so scheint es, hat seine Arbeit eine andere Richtung eingeschlagen, experimentierte er doch lieber mit neuen Ideen, als Altbewährtem treu zu bleiben.

 

Schindler, in mancherlei Hinsicht ebenso Bildhauer wie Architekt, traf seine gestalterischen Entscheidungen oft erst vor Ort anhand der tatsächlichen Gegebenheiten von Maßen und Materialien. Als andere Planung und bauliche Umsetzung noch strikt trennten, war er aber auch der Erste, der als Architekt und Bauunternehmer seiner Projekte fungierte. Dass Schindler der Kunst den Vorrang vor finanziellem und beruflichem Erfolg einräumte, gab ihm zwar die Freiheit, nach Belieben zu experimentieren. Es trug jedoch auch dazu bei, dass er weit über seinen Tod im Jahr 1953 hinaus unterschätzt bleiben sollte.