Das Schindler Haus

Das Schindler House wurde in den Jahren 1921/22 vom austro-amerikanischen Architekten Rudolph M. Schindler als Wohn- und Studiohaus für zwei junge Paare entworfen und errichtet. Als eines der frühesten Gebäude der Moderne hat es Generationen von Architekten weltweit beeinflusst und inspiriert. Es hat den gängigen Begriff von öffentlichem und privatem, von Innen- und Außenraum neu definiert, neue Wege in der Planung und Ausführung der modernen Wohnstätte beschritten und sich zwischen den 1920er- und den 1950er-Jahren zu einem Ort zukunftsorientierten ästhetischen, kulturellen und politischen Schaffens entwickelt.

Rudolph M. Schindlers Wohn- und Studiohaus gilt als erstes modernes Haus, das dem besonderen kalifornischen Klima entsprechend konzipiert wurde, und diente als Prototyp für einen spezifisch kalifornischen Baustil. Von 1922 bis zu seinem Tod im Jahr 1953 diente das Gebäude Schindler gleichermaßen als Wohnung wie Atelier. In diesen 30 Jahren entwarf er Häuser und kleine Gewerbegebäude, die heute als Meilensteine der Moderne gelten.

In seinem eigenen Haus auf der Kings Road in West Hollywood kommt Schindlers Philosophie von Bauweise und –materialien am klarsten zum Ausdruck; lässt doch das gesamte Grundstück ein wohl konzipiertes Zusammenspiel von Raum, Licht und Form erkennen. Die Grundzüge seiner Auffassung von Architektur, die er „Raumarchitektur“ nannte, führte er in diesem, seinem ersten eigenständigen Werk in den USA, in aller Deutlichkeit aus und etablierte sich mit diesem richtungweisenden Bau als einer der wichtigsten Vertreter der Moderne.

Rudolph Michael Schindler

Rudolph Michael Schindler wurde 1887 in Wien geboren. Er studierte Kunst und Architektur, war Schüler von Otto Wagner und Adolf Loos. 1914 verließ er im Alter von 26 Jahren Österreich und zog nach Chicago, wo er zunächst einen Dreijahresvertrag in einem Architekturbüro bekam, um in der Folge für Frank Lloyd Wright zu arbeiten. Im Auftrag Wrights, der Schindler entscheidend prägte, ging er 1920 nach Los Angeles, um den Bau des Hollyhock House zu beaufsichtigen.
1921 machte sich Schindler selbstständig. Für sich und seine Frau Sophie Gibling, die nach ihrem zweiten Vornamen „Pauline“ genannt wurde, sowie das befreundete Ehepaar Clyde und Marian Chace entwarf er ein Wohn- und Studiohaus mit zwei getrennten Wohneinheiten und einem Gästebereich. Dank eines 5.000-Dollar-Bankkredits und eines Darlehens über 3.000 Dollar von Paulines Eltern konnte das Vorhaben 1922 realisiert werden. Kurz nach Fertigstellung des Baus kam Mark, das einzige Kind der Schindlers, zur Welt.

Nachdem das Ehepaar Chase 1924 nach Florida gezogen war, stieß 1925 Richard Neutra mit seiner Familie zu den Schindlers. Der ehemalige Wiener Schulkollege Schindlers wurde bald zu einem der wichtigsten modernen Architekten in Los Angeles. Von 1926 an leisteten Schindler und Neutra mit zahlreichen Entwürfen einen nachhaltigen Beitrag zur Architektur des frühen 20. Jahrhunderts, darunter Schindlers Lovell Beach House am Newport Beach (1925/26), ihr gemeinsamer Wettbewerbsbeitrag für das Völkerbund-Gebäude (1926) und Neutras Lovell Health House in Los Angeles (1928/29).

Im Lebensstil der beiden Familien – in Ernährung, körperlicher Betätigung, in Erziehung und Psychoanalyse sowie in Tanz, Musik, Malerei und Fotografie – spiegelte sich die Philosophie wider, die hinter Schindlers architektonischem Konzept für sein Wohn- und Studiohaus steht. Die Außenbereiche wurden zu Speise- und Kinderzimmern für die Kinder, die das ganze Jahr über an der frischen Luft waren. Man schlief im Freien, aß an den offenen Kaminen einfache Obst- und Gemüsegerichte und trug weite Gewänder aus Naturfasern, die man lieber zuschnürte als sie zuzuknöpfen. Bei ihren Partys dienten die Terrassen als Bühnen für musikalische und tänzerische Darbietungen vor den Gästen, unter denen sich viele aufstrebende kalifornische Künstler und Schriftsteller befanden.

In den späten 1920er-Jahren zog Pauline Schindler mit ihrem Sohn aus, 1930 folgte Richard Neutra mit seiner Familie. Mitte der 1930er-Jahre kehrte Pauline jedoch wieder zurück, um – getrennt von ihrem ehemaligen Mann – die vormaligen Studioräume der Chaces zu beziehen. Sie starb 1977, kurz nach Gründung des Vereins „Friends of the Schindler House“.

Das Schindler House zählt zweifellos zu den bedeutendsten Werken des 20. Jahrhunderts. Seine einst kühnen Innovationen waren zum Zeitpunkt des Todes des Architekten Standard geworden. Das kalifornische Haus – ein eingeschoßiges Gebäude mit offenem Grundriss und Flachdach, das sich durch Schiebetüren zum Garten hin öffnet und sich mit der Rückseite zur Straße hin abschottet – wurde zum Maßstab für den Wohnbau der Nachkriegszeit. Heute gilt das Schindler House in den USA und international als bahnbrechend, als Beginn einer neuen architektonischen Epoche.

Kathryn Smith, Architekturhistorikerin und Autorin von Schindler House (New York: Harry N. Abrams, 2001)
 

Online Publikation Schindler Lab

Diese Publikation dokumentiert eine auf Ausstellungen fokussierte Initiative, in deren Rahmen KünstlerInnen und ArchitektInnen aufgefordert waren, Installationen zum Wohnbauexperiment Rudolph M. Schindlers zu entwickeln.

Alljährlich begrüßt das MAK Center nicht nur unzählige BesucherInnen aus der Region, sondern aus den gesamten USA und dem Ausland, die von diesem frühen Beispiel (1922) moderner Architektur in Los Angeles fasziniert sind und oft präzise Fragen stellen. Sie interessiert, was Schindler dachte, als er das Haus plante und baute. Wie wurde das Haus genutzt? Wie wurde es über die Jahrzehnte rezipiert und kanonisiert? Und wie wird das Haus heute erhalten?

Inspiriert von diesen Fragestellungen entwickelte das MAK Center gemeinsam mit Sara Daleiden, der Initiatorin der Reihe, das Schindler Lab. Seit 2011 präsentiert die Reihe nicht nur Kunstprojekte, die das Wohnen im Haus in einen neuen Kontext stellen, sondern zeigt auch die langen Diskussionen, Debatten, Überlegungen und kreativen Lösungsansätze, die sich hinter jeder der Ausstellungen im Schindler House verbergen. Diesen Entwicklungsprozess stellt die Online-Publikation auf SchindlerLab.org dar. / März 2015

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