Burhan Doğançay

Tapisserie #150, Editionsnummer 2/6

Schenkung Josepha Ilowsky-Ewantschin
Der international tätige Künstler Burhan Doğançay (Istanbul 1929–2013 ebd.) studierte zunächst – Jus in Ankara und Wirtschaft in Paris – und war im diplomatischen Dienst tätig, bevor er 1964 beschloss, in New York zu bleiben und sich allein der Kunst zu widmen. Von Beginn an wurde sein Schaffen von der städtischen Umgebung inspiriert, speziell den Wänden. Diese urban walls sah er als konstant wechselndes Barometer einer Gesellschaft, da sie sowohl politische als auch wirtschaftliche Entwicklungen der jeweiligen Länder reflektierten und sich ständig veränderten. Seit den 1970ern fotografierte Doğançay urbane Fassaden in aller Welt, die er als Inspirationsquellen für seine Arbeiten archivierte und nutzte. Als Technik wählte er die seiner Kunst adäquate Collage, mit der er den Prozess der sich verändernden urbanen Wände in seinen Bildern adaptierte.
 
In späteren Jahren, speziell während der 1970er und 1980er, entwickelte er, ausgehend von den urban walls, seine Serie Ribbons, die er in Tapisserien übertragen ließ. Dazu wurde er vom Atelier Raymond Picaud in Aubusson, Frankreich, eingeladen. Doğançay ließ seine Entwürfe in Aubusson weben, einem Jahrhunderte altem Zentrum der Produktion von Tapisserien, das noch heute für die Umsetzung künstlerischer Entwürfe ins textile Medium bekannt ist. Dort wurden etwa auch Entwürfe von Sonia Delaunay oder Le Corbusier umgesetzt. Die dem MAK geschenkte Tapisserie ist ein Resultat dieser Serie, sie zeigt einen durch Bänder (ribbons) aufgerissenen violetten Grund. Die sich bildenden Schatten wirken kalligrafisch und intensivieren den dreidimensionalen Eindruck. 2013 konnte Burhan Doğançays Tapisserie als Schenkung im Namen von Josepha Ilowsky-Ewantschin in die Sammlung des MAK aufgenommen werden.


MAK-Sammlung

Sammlung Textilien und Teppiche

Kustodin: Silke Geppert

Die im MAK aufbewahrten Textilien umfassen die Zeit von der Spätantike bis heute; sie umspannen den Globus mit Stücken aus fast allen Teilen Asiens und Europas bis hin nach Südamerika. Dieses umfassende materielle Archiv spiegelt die künstlerischen, technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen dieses speziellen Bereichs während der letzten 1.500 Jahre und zeigt die internationalen kulturellen Verbindungen, die sich durch die Jahrhunderte ziehen.

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