Forschungsprojekt

Missing Link – Die Architekt*innengruppe

Projektleitung: Sebastian Hackenschmidt, MAK-Kustode Möbel und Holzarbeiten; Bearbeitung: Anna Dabernig
Missing Link wurde 1970 von Angela Hareiter, Otto Kapfinger und Adolf Krischanitz an der technischen Hochschule in Wien gegründet. Die Gruppe vertrat die Auffassung, dass die Gestaltung der Umwelt eine komplexe und verantwortungsvolle Aufgabe sei und Architektur sich nicht im Errichten von Bauwerken erschöpfen könne. Konsequenterweise hat die Gruppe, die sich 1980 wieder auflöste.  in den zehn Jahren ihres Bestehens kein dauerhaftes Gebäude errichtet und stattdessen andere, kulturkritische und sozialpolitisch bewusste Architektur-Strategien entwickelt. Anknüpfend an die Funktionalismus-Kritik zahlreicher Wiener Architekturmanifeste der 60er Jahre, suchte sie in ihren grenzüberschreitenden Projekten nach fehlenden Bindegliedern zwischen Mensch, Architektur, Urbanität, Kunst und sozialem Gefüge. Es entstand ein äußerst vielschichtiges Werk, das neben künstlerischen Objekten, Malereien, Zeichnungen und Texten auch Aktionen, Performances und Experimentalfilme umfasst.
 
Die Basis für die Aufarbeitung des Oeuvres von Missing Link stellte die wissenschaftliche Erfassung des im MAK befindlichen Vorlasses dar. Der Großteil des Archivs wurde 2014 erworben und konnte zwischen 2020 und 2022 durch weitere Ankäufe und eine umfangreiche Schenkung nahezu vervollständigt werden (nur wenige Werke der Gruppe befinden sich in anderen Institutionen wie in der Albertina, Artothek des Bundes, AzW – Architekturzentrum Wien, Landessammlungen Niederösterreich, mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Salzburg Museum und Wien Museum oder in Privatbesitz). Der überwiegende Teil des Archivs von Missing Link im MAK wurde der Bibliothek und Kunstblättersammlung zugeordnet und dort inventarisiert: Malereien, Zeichnungen, Collagen, Fotografien, Plakate, Publikationen, Manuskripte, Typoskripte und andere Dokumente wurden von 2019 bis 2022 in über 1 000 Datensätzen erfasst. Sechs große plastische Werke gelangten in die Sammlung Gegenwartskunst. 
 
Das Archiv Missing Link im MAK besteht somit aus folgenden Positionen:
 
  • Hauptteil des Oeuvres, 2014 erworben (KI 23091)
  • Sechs plastische Objekte, 2014 erworben (GK 704-709) 
  • Skizzenblöcke, 2020 erworben (KI 23555) 
  • Zeichnungen aus dem Kontext der Wiener Typen / Wiener Studien, 2021 erworben (KI 23582)
  • Zeichnungen aus dem Kontext der Wiener Typen und Studien und diverser Projekte, 2022 Schenkung von Missing Link (KI 23677). Die bildliche Digitalisierung dieses jüngst erworbenen Konvoluts steht noch aus, die Datensätze sind aber bereits abrufbar.
  • Plakate von Misssing Link aus der Ausstellung Austrian New Wave (PI 22049-2, -20 bis -24, -29), erworben 2022. 
 
Das Archiv Missing Link in der MAK Sammlung Online erlaubt es, Werkszusammenhänge der Gruppe bis ins Detail zu erforschen. Die Datenbank erlaubt es, interessenspezifische Recherchen zu betreiben und sich einen Überblick über einzelne Werkgruppen oder Themengebiete zu verschaffen – beispielsweise über medienspezifische Suchabfragen (Gouachen, Fotografien, Typoskripte), zeitliche Eingaben (nach Jahreszahlen) oder auch projektbezogen (Projekttitel). Durch die Onlinestellung des Archivs können spezifische Ergebnisse jederzeit abgerufen werden. 
 
Projektleitung: Sebastian Hackenschmidt, MAK-Kustode Möbel und Holzarbeiten
Bearbeitung: Anna Dabernig
 
Ausstellung: 
MISSING LINK. Strategien einer Architekt*innengruppe aus Wien (1970–1980)
11.5.—2.10.2022

Publikation: 
Zur Ausstellung erschien die von Anna Dabernig und Sebastian Hackenschmidt gemeinsam verfasste Publikation MISSING LINK. Strategien einer Architekt*innengruppe aus Wien (1970–1980), MAK Studies 29, herausgegeben von Lilli Hollein und Sebastian Hackenschmidt. Deutsch/Englisch, 332 Seiten mit einem umfangreichen Werkverzeichnis und zahlreichen, größtenteils unveröffentlichten Abbildungen. MAK, Wien/Birkhäuser Verlag, Basel 2022. Erhältlich im MAK Design Shop und unter MAKdesignshop.at um € 42.