Sammlung Textilien und Teppiche

Kustodin: Lara Steinhäußer

Von vorchristlichen Textilfragmenten aus Peru über mittelalterliche Tapisserien bis hin zu Kaschmirschals und zeitgenössischer Mode – die MAK Sammlung Textilien und Teppiche bietet einen umfangreichen Querschnitt aus unterschiedlichen Epochen, Regionen und Techniken. Als materielles Archiv spiegelt sie nicht nur künstlerische, sondern auch technische und wirtschaftliche Entwicklungen – und damit v. a. globale kulturelle Verflechtungen der letzten 1.500 Jahre.

Schwerpunkte und Prunkstücke der Sammlung  

Zu den ältesten Beständen der Sammlung gehören die sogenannten „koptischen“ Textilfunde aus ägyptischen Gräbern, die in den 1880ern vom damaligen Kustoden Alois Riegl inventarisiert wurden. Ein Schwerpunkt liegt auf mittelalterlichen Textilien: Der um 1260 entstandene Gösser Ornat ist das am frühesten datierte, vollständig erhaltene Ensemble liturgischer Textilien des Mittelalters. Auf dem Ornat sind die Stiftsgründerin Adala sowie die Äbtissin Kunigunde II., dargestellt, die das Gewand zusammen mit ihren Ordensschwestern herstellte und sich darauf anhand von Stickereien verewigte. Es ist somit auch Zeugnis der Wirkungsmöglichkeiten von Frauen im mittelalterlichen sakralen Kontext. Neben italienischen Seiden und Samten der Renaissance, die in ihren Mustern und Materialien stark vom globalen Handel geprägt sind, zählen auch die permanent ausgestellten Spitzen der Renaissance und des Barock zu den Highlights. Über 1.500 Spitzen der Sammlung stammen aus dem Besitz Bertha Pappenheims, einer jüdischen Frauenrechtlerin, die auch als Sigmund Freuds Patientin „Anna O.“ bekannt ist. Weitere Höhepunkte der Sammlung sind Knüpfteppiche des 16. und 17. Jahrhunderts aus dem Besitz der Habsburger, wie der weltweit einzige erhaltene seidene Mamlukenteppich oder der berühmte Wiener Jagdteppich. Die äußerst kostbare MAK Sammlung umfasst rund 200 Teppiche: neben den Objekten des Kaiserhauses, die nach dem Ende der Monarchie in staatliche Verwaltung übergingen, finden sich darunter v. a. zahlreiche Stücke aus dem ehemaligen Orient- bzw. Handelsmuseum. Ab 2026 können Besucher*innen ausgewählte Teppiche wieder permanent in der Schausammlung bewundern.
Die stilistischen und produktionstechnischen Entwicklungen zur Zeit des Biedermeier in Österreich sind durch eine große, genau dokumentierte Sammlung an Stoffmustern aus dem Technologischen Gewerbemuseum nachzuvollziehen.

Textile Objekte seit der Moderne

Aus dem beginnenden 20. Jahrhundert besitzt das MAK rund 20.000 Stoffmuster der Wiener Werkstätte. Mit Mode, Textilien und Tapeten war die Wiener Werkstätte international erfolgreich. Die vielfältigen Muster von zahlreichen Designer*innen wie Maria Likarz, Felice Rix oder Dagobert Peche zeigen das kreative Spektrum dieser Produktion. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts und die Zeit bis heute sind stark durch Mode vertreten, v. a. durch das Helmut Lang Archiv, das über 10.000 Datensätze zählt und im MAK Design Lab präsentiert wird. Mode als Phänomen wurde in den letzten Jahren zu einem Schwerpunkt des Sammlungsbereichs, beispielsweise mit der 2022 lancierten Reihe von Modeausstellungen im MAK Geymüllerschlössel.