Von der klassischen Form bis zur freien Plastik: Das Gefäß bietet der zeitgenössischen Keramik ein weites Experimentierfeld. Angestammte Funktionen werden hinterfragt, Grenzbereiche zwischen Gebrauchskunst, angewandter Kunst und Skulptur erschlossen. Die Ausstellung zeigt aktuelle Positionen aus Österreich. Ein Überblick über die künstlerische Keramikproduktion - auf dem weit gefassten Gebiet des Gefäßes - ab dem Jahr 2000 wird gegeben. Sowohl Beispiele für klassische Gefäßformen, als auch Beispiele für die Befreiung des Gefäßes aus dem angewandten Bereich, seine Veränderung und Verselbständigung sind zu sehen.
Das künstlerische Medium Ton trägt die Last einer langen Tradition und erlebte vor allem in den letzten Jahrzehnten eine Befreiung und Neuorientierung. Dabei steht der freie künstlerische Umgang mit Ton von wenigen Jahrzehnten einer Jahrtausende alten Geschichte gegenüber, in der die Keramik sich vor allem als Gebrauchsgegenstand definierte. Davon emanzipierte sich die Keramik und positioniert sich heute an der Schnittstelle zur Kunst. Die Dialektik von freier und angewandter Kunst prägt die Geschichte der Keramik im 20. Jahrhundert. Die Grenzdefinition zwischen Kunst und Kunstgewerbe, zwischen Design und Skulptur bestimmt die aktuelle Diskussion rund um die Keramik. Längst steht das Medium Ton in Kommunikation zu verschiedensten Kunstformen, hat sein Begriffsfeld stark erweitert und agiert auf unterschiedlichen Bedeutungsebenen.
Bewusst wurden acht sehr unterschiedliche Künstler eingeladen, die sehr differenzierte Beiträge zu dem weit gefassten Thema "Gefäß" geschaffen haben. Spielerisch, teils ironisch findet das Thema in den Arbeiten seinen Niederschlag und hinterfragt dieses urkeramische Thema von Gefäß und Hohlraum. Historisches Vokabular wird zitiert ohne dessen Inhalte übernehmen zu wollen und neu interpretiert. Die keramische Tradition wird dabei nicht versucht zu verleugnen. Aspekte wie das Verhalten des Materials selbst und seine Eigenschaften werden ebenso behandelt wie der Schaffensprozess oder Themen wie Individualität, Raumerfahrungen, das dekorative Element oder Ornament oder das Paar Präsentation und Repräsentation.
Mit Arbeiten von: Franz Josef Altenburg, Rosemarie Benedikt, Gabriele Hain, Günter Praschak, Barbara Reisinger, Kurt Spurey, Elmar Trenkwalder und Gerold Tusch.
Kuratorin Katja Miksovsky, MAK-Kustodin Glas und Keramik
Katalog "FORM IM WANDEL. Gegenwartskeramik aus Österreich", herausgegeben von Peter Noever, mit Beiträgen von Tanya Harrod und Katja Miksovsky, deutsch/englisch, 52 Seiten, zahlreiche Abbildungen. MAK Design Shop