Im ersten Teil des Symposiums widmen wir uns der Frage, wie sich die Disziplinen Tanz und Design ab 1900 gegenseitig beeinflusst haben sowie von den Bildenden Künsten inspiriert wurden. Unter dem Titel
Aus der Reihe tanzen. Der befreite Körper zwischen Kunst, Emanzipation und Politik in der Moderne setzen sich die Vortragenden mit der Frage auseinander, welchen Einfluss Frauenemanzipation, die Rezeption des Orientalismus in Europa und die Sexualitätsforschung auf das Bewegungsvokabular des modernen Tanzes hatten. So wie der moderne Tanz die starren Strukturen des Balletts ablehnte, lehnte das moderne Design die historistische Formensprache ab. Stattdessen förderte es Bewegungsfreiheit und persönlichen Ausdruck. Gleichzeitig nutzte der moderne Tanz Designprinzipien, um kraftvolle und eindrucksvolle Bühnenauftritte zu inszenieren. Die Idee vom Gesamtkunstwerk entwickelte sich im Tanz zur treibenden Kraft der Moderne. Im Fokus stehen die Hinterfragung von Kulturstereotypen, die Darstellung fließender Geschlechterrollen und die Errichtung utopischer Kollektive als integraler Bestandteil der Avantgarde-Tanz- und Kunstbewegung.
Im zweiten Teil unseres Symposiums beleuchten die Vortragenden Kollaborationen von Choreograf:innen mit Künstler:innen und Modedesigner:innen sowie die kritische Rolle der Anthropologie bei der Neukonfiguration der kraftvollen Avantgarde und des Diskurses über den „neuen Menschen” in Tanz und Design. Unter dem Titel
Tanz im Wandel: Der zukünftige Körper zwischen Mythologie, Anthropologie und Technologie werden Kulturtransferprozesse und kritische soziale Fragen im Kontext der Ästhetik des Spektakels der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts thematisiert. Dieser Diskurs begann in den 1940er Jahren und dauert bis heute an. Erörtert wird, wie der Tanz unser Bewusstsein für kulturelle Spannungen, sozialen Wandel sowie die Notwendigkeit prägt, sich mit den Versprechen und Risiken der Globalisierung auseinanderzusetzen. Im Fokus stehen die treibende Kraft des Kulturwandels sowie die technologischen Innovationen, die unsere zukünftigen körperlichen und existenziellen Bedingungen beeinflussen werden.
Unser Ziel ist es, das Bewusstsein für die kreative Kraft zu schärfen, die an der Schnittstelle von Tanz, Kunst und Design entsteht. Durch den Austausch über diese interdisziplinäre Herangehensweise wollen wir aufzeigen, wie sich kulturelle Stereotype und körperliche Einschränkungen überwinden lassen und wie sich ein kritisches Bewusstsein für aktuelle soziale Themen entwickeln lässt.
Konzept und Co-Organisatorinnen: Elana Shapira & Anne-Katrin Rossberg
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PROGRAMM
DONNERSTAG 17.9.2026
15.30 Uhr
Rainald Franz / Anne-Katrin Rossberg (MAK)
Führung durch die Ausstellung Vally Wieselthier. Bild und Ton / Ceramic Sculptor
16.45 Uhr
Keynote: Patricia Mears (Curator, New York)
From a Muse to a Woman of Style: How the Ballerina Danced Her Way into Modernity
FREITAG 18.9.2026
10.00 UhrEröffnung
Lilli Hollein, Generaldirektorin und wissenschaftliche Geschäftsführerin, MAK
Ulrike Kuch, Rektorin der Universität für angewandte Kunst Wien
1. Sektion:
Aus der Reihe tanzen. Der befreite Körper zwischen Kunst, Emanzipation und Politik in der Moderne / Stepping Out of Line: The Freed Body Between Art, Emancipation, and Politics in ModernismModeration: Michael Hölters (MAK)
10.30 Uhr
Anne-Katrin Rossberg (MAK)
Der Tanz rund um die Wiener Werkstätte
Elana Shapira (Universität für angewandte Kunst Wien)
The Rebel Salomes: Vally Wieselthier, Gertrude Bodenwieser, and Hilde Holger
11.15 Uhr
Eike Wittrock (MUK – Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien)
Materialitäten und Sexualitäten. Der moderne Tänzer Joachim von Seewitz in Fotografien von Franz Xaver Setzer
11.45 UhrDiskussion
12.00 UhrNicole Haitzinger (Paris-Lodron-Universität Salzburg)
Nyota Inyoka: Tanzkostüme als fabrizierte Träume einer künstlichen Haut in der Moderne
12.30 Uhr
Susan Funkenstein (University of Michigan)
Art, Dance, Design, and Gender at the Bauhaus Festivals
13.00–14.15 UhrDiskussion / Mittagspause
2. Sektion:Tanz im Wandel: Der zukünftige Körper zwischen Mythologie, Anthropologie und Technologie / Dance in Transition: The Future Body at the Intersection of Mythology, Anthropology, and TechnologyModeration: Elana Shapira
14.30 Uhr
Natalie Ginsberg (Art historian, dancer, curator, New York)
In and On the Mythic Stage: Martha Graham and Isamu Noguchi’s Cave of the Heart (1946)
15.00 Uhr
Gabriele Klein (Universität Amsterdam)
Die materiale Ästhetik im Werk von Pina Bausch
15.30 Uhr
Tamara Tomic-Vajagic (University of Roehampton, London)
Topological Folding and Connective Affinities: The Work of Choreographer William Forsythe and Fashion Designer Issey Miyake
16.00 UhrDiskussion / Pause
16.30 Uhr
Emanuel Gollob (Kunstuniversität Linz)
Performativität in Begegnungen zwischen Mensch und Roboter
17.00 UhrSchlussbemerkungen Elana Shapira
Eine Kooperation des MAK mit der Universität für angewandte Kunst, mit freundlicher Unterstützung der Stadt Wien und der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland
