(MAK 2026): Das MAK schreibt mit seinem Programm Geschichte mit und ist sich dieser Verantwortung sowie seiner Deutungshoheit bewusst. Auch mit Ausstellungen zu Otto Muehl hat das MAK zur Erzählung und Rezeption des Künstlers beigetragen. Aus heutiger Perspektive reflektieren wir sein Werk kritisch und die Kontextualisierung der von Muehl begangenen Verbrechen ist für das MAK heute unerlässlich. Das MAK setzt sich für eine multiperspektivische Darstellung ein, die auch jene Stimmen berücksichtigt, die von Machtmissbrauch und Gewalt betroffen waren und sind.
3.3.2004—31.5.2004
Untere Ausstellungshalle

(MAK 2004): Die Ausstellung "Otto Muehl. Leben / Kunst / Werk. Aktion Utopie Malerei 1960-2004" bietet erstmals einen Gesamtüberblick über das künstlerische Werk Otto Muehls: angefangen bei den Materialbildern und Collagen der sechziger Jahre über die zeitgleichen Aktionen bis hin zur Malerei von den Anfängen bis heute.

Mit der von Otto Muehl propagierten Zerstörung des Tafelbilds, seinen Gerümpelskulpturen, Collagen und Aktionen nimmt er im Wiener Aktionismus - in Österreichs wichtigstem Beitrag zum internationalen Kunstgeschehen der Nachkriegszeit - neben Künstlern wie Hermann Nitsch, Günter Brus, Alfons Schilling und Rudolf Schwarzkogler eine herausragende Position ein. Schlüssig folgte die Gründung der Kommune am Friedrichshof, zunächst AAO - "Aktions-Analytische Organisation" - genannt, aus den radikalen künstlerischen Fragestellungen der späten sechziger Jahre. Die Kommune am Friedrichshof war der idealistische Versuch, die Welt durch Kunst zu verändern. In letzter Konsequenz musste dieser anarchistische Vorstoß als Staat im Staat scheitern und Utopie bleiben.

Der Hauptteil der Ausstellung ist jedoch dem malerischen Œuvre von Otto Muehl gewidmet. Bereits in den späten fünfziger Jahren spielt die Malerei und die Auseinandersetzung mit Inkunabeln der Kunstgeschichte für den Künstler eine große Rolle. Anfang der Siebziger sollte Otto Muehl zur Malerei zurückkehren, wenn auch unter anderen Gesichtspunkten, und seine Untersuchungen der Kunstgeschichte in diesem Medium fortsetzen. Die Ausstellung wird Werke aus allen Schaffensphasen präsentieren und so erstmals eine Gesamtschau der Malerei Otto Muehls ermöglichen.

Ausstellung Otto Muehl, Peter Noever
Kuratorin Bettina M. Busse
Kokuratorin Barbara Horvath

Katalog "Otto Muehl. Leben / Kunst / Werk. Aktion Utopie Malerei 1960–2004", hg. von Peter Noever, mit einer Einführung von Bettina M. Busse, Beiträgen von Éric Alliez, Michel Giroud, Peter Gorsen, Otto Muehl und Peter Turrini, einer Kommunechronologie von Karl Iro Goldblat, einer umfassenden Aktionschronologie sowie zahlreichen Originaltexten und Manifesten, dt., 416 Seiten, EUR 44,- MAK Design Shop